Positive Bestärkung

Vorab gesagt: Sollte Ihnen mal ein Hundetrainer begegnen, der Ihnen erzählt “Hunde sind Wölfe. Sie bilden feste Rudelstrukturen und deswegen müssen Sie der Rudelführersein und sich durchsetzen”…dann wissen Sie, dass sich dieser Trainer in den vergangenen Jahrzehnen nicht wirklich fortgebildet hat.

Heute weiß man, dass Hunde keine Wölfe sind, dass sie in lockeren, sozialen Verbänden leben und dass aggressive Auseinandersetzungen (geschweige denn “Sich-Durchsetzen”) nur höchst selten vorkommen. Wir müssen also nicht so tun als ob wir der allmächtige Rudelführer wären. Kein Hund hört auf zu jagen, andere Hunde anzupöbeln, Angst zu haben, Menschen anzuspringen,usw, nur weil Sie vor ihm zu Abend essen, ihn des Sofas verweisen oder vor ihm durch die Tür gehen. Wenn Sie sich Ihrem Hund gegenüber “durchsetzen” (sprich: Keine Rücksicht auf seine Bedürfnisse nehmen), kann es gut sein, dass Sie sich einen aggressiven, ängstlichen oder überdrehten Hund heranziehen.

Glücklicherweise hat uns die moderne Lern- und Verhaltensforschungen Werkzeuge an die Hand gegeben, wie wir hundliches Verhalten völlig ohne Gewalt (ja, auch ein Leinenruck ist Gewalt…legen Sie sich mal eine Leine um den Hals und probieren Sie es aus) verändern können.

Diese Werkzeuge basieren allesamt auf dem Prinzip der “positiven Bestärkung”.

Positive Bestärkung ist eine Ausbildungsmethode, die darauf aufbaut, dass der Hund für jedes erwünschte Verhalten belohnt wird. Eine Belohnung ist all das, was für den Hund in diesem Moment eine Belohnung darstellt. Das kann ein Leckerli sein, aber auch ein Spiel oder ein Lob, etc. Durch die Belohnung gebe ich ihm eine Information über das, was ich von ihm erwarte. Ein belohntes Verhalten wird in Zukunft häufiger gezeigt werden. Ablenkungen werden nur langsam eingeführt, so dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund das gewünschte Verhalten zeigt, immer sehr hoch ist.

Beispiel: Der Hund setzt sich und bekommt dafür ein Leckerli. Daher wird er das „Sitz“ in Zukunft häufiger zeigen. Wenn er das Signal beherrscht, wird das „Sitz“ zunächst daheim in ablenkungsarmer Umgebung trainiert, dann mit leichter Ablenkung (z.B. im Garten) und schließlich bei starker Ablenkung (andere Hunde, Wild, etc.).

Unerwünschtes Verhalten wird falls möglich ignoriert. Da es dafür keine Belohnung gibt, wird es zukünftig weniger häufig gezeigt.

Beispiel: Der Hund springt herum statt sich zu setzen. Der Hundehalter ignoriert dieses Verhalten so lange bis der Hund sich setzt. Dann bekommt der Vierbeiner eine Belohnung. Das Herumspringen wird weniger werden, da es dafür keine Belohnung gibt.

Falls man als Hundehalter das Verhalten nicht ignorieren kann, zeigt man dem Hund ein Alternativverhalten, das mit dem unerwünschten Verhalten unvereinbar ist.

Beispiel: Ein Hund springt ständig Besucher an. „Sitz“ ist unvereinbar mit dem Verhalten „Anspringen“, da der Hund nicht gleichzeitig „Sitz“ machen und Anspringen kann. Der Hundehalter bringt also seinem Hund zunächst das „Sitz“ bei und trainiert das so lange bis es auch unter größerer Ablenkung funktioniert. Dann verlangt er immer „Sitz“, wenn ein Besucher die Wohnung betritt. Wenn er „Sitz“ macht, wird der Hund belohnt. Bei konsequentem Training wird sich der Hund auf Dauer vor die Besucher setzen statt sie anzuspringen.

Das Clickertraining ist eine besondere Ausformung der positiven Bestärkung. Wir benutzen hier ein Marker-Signal (das Clickclack des Clickers), um dem Hund eine Belohnung anzukündigen.

Essentiell ist dabei das Timing. Dazu hier mal eine kleine nette Übung.

Außerdem sorgen wir in unseren Stunden durch Konzentrationsübungen für eine ruhige Lernatmosphäre. Unter Stress lernt es sich bekanntlich schlecht. Daher legen wir sehr viel Wert auf entspannte Hunde und entspannte Halter.

Damit Ihr Vierbeiner auch Ihr bester Freund wird!